Shell

Auf Twitter habe ich schon mehrmals darauf hingewiesen und ich werde nicht müde es zu tun. Natürlich hat es auch etwas damit zu tun, dass ich eine Schwiegerfamilie in Nigeria habe und mich deshalb mehr mit den Problemen in diesem Land auseinandersetze.

Natürlich ist die Öl-Pest im Golf von Mexiko eine Katastrophe. Aber im bevölkerungsreichsten Land Afrikas, in Nigeria, findet seit 50 Jahren eine Öl-Katastrophe statt, die nicht nur Natur und Umwelt, sondern die Menschen im Niger-Delta direkt betrifft, da sie ihnen ihre Lebensgrundlage entzieht.

In Nigeria ist es nicht nur BP, sondern viele andere Ölkonzerne, allen voran Shell, die Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen hinnehmen, um ihren Profit zu machen. Und keinen interessiert’s. Lediglich Mitte der 1990er erregte das erdölreichste Land Afrikas und Shell kurzzeitig Aufsehen, als Menschenrechtsaktivisten in Nigeria zum Tode verurteilt und erhängt wurden.

Die nigerianische Regierung nimmt jährlich Milliarden Dollar ein, aber das Geld versickert größtenteils in den Taschen der Politiker. Noch immer gibt es nicht genügend adäquate Schulen und Krankenhäuser. Das Straßen- und Stromnetz ist mehr als desolat. Und vor allem sind es gerade die Menschen im Niger-Delta, die die nigerianische Regierung im Stich zu lassen scheint. Dort leben die ärmsten und krankesten Menschen Nigerias, ihre Lebenserwartung ist zehn Jahre kürzer als die ihrer Landsleute im Rest des Landes.

Gestern Abend kam zu relativ später Stunde ein Bericht im Auslandsjournal (ZDF) über die Zustände im Niger-Delta. Vielleicht hat es ja der eine oder andere gesehen und ich möchte die noch frische Erinnerung daran nutzen, die Katastrophe dort den Lesern hier mit ein paar Links zu interessanten Berichten ins Gedächtnis zu rufen.

Die vergessene Katastrophe – Fünf Jahrzehnte Öl-Pest in Nigeria (auslandsjournal):

Shell gilt vielen als einer der Hauptschuldigen der Verschmutzung. Der Ölriese macht seit 1936 Geschäfte in Nigeria und betreibt dort viele Bohranlagen, bei denen es häufig zu Unfällen kam. Zudem wird der Konzern beschuldigt, die brutale Vorgehensweise der damaligen Militärdiktatur gegen friedliche Demonstranten unterstützt oder zumindest toleriert zu haben. Die Demonstranten wollten erreichen, dass die Ölförderer die Verschmutzung stoppen und die Schäden sanieren. Außerdem setzten sie sich dafür ein, dass die Bevölkerung an den Einnahmen der Ölindustrie beteiligt wird. In einem spektakulären Prozess wurden die Führer dieser Bewegung 1995 zum Tode verurteilt und wenig später erhängt.

Jeden Tag eine Ölpest (NZZ online):

In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung sank auf 40 bis 45 Jahre, im Rest des Landes ist sie zehn Jahre höher. «Es sind viele Menschen des Ogoni-Volkes von der Kontaminierung betroffen», bestätigt Michael Cowing vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep), das die Verschmutzung wissenschaftlich untersucht. «Es gibt hunderte kontaminierte Orte, eine kleine Zahl davon stellt eine beträchtliche Gefahr für die Gesundheit und die Umwelt dar.»

Die ganz alltägliche Ölpest (Handelsblatt):

Während die Welt gebannt auf die Katastrophe im Golf von Mexiko blickt, ist für die Bewohner des Nigerdeltas der Kampf gegen auslaufenes Öl zum bitteren Alltag geworden. Seit Beginn der Förderung in Nigeria sind nach Schätzungen zwei Milliarden Liter Öl ins Delta geflossen – das entspricht einem „Exxon Valdez“-Tangerunglück pro Jahr. Und ein Ende der Umweltkatastrophe ist nicht in Sicht.

Öl – ein Rohstoff vergiftet das Denken (Tagesspiegel):

Die Gemeinden, in denen das meiste Öl Nigerias gefunden wurde, erhielten kaum mehr als symbolische Zahlungen, nachdem in den 60er Jahren eine Förderung im großen Stil begonnen hatte. Dies beschleunigte den Zusammenbruch des Landes: Anfangs gab es friedliche Proteste, die vom Staat unterdrückt wurden. Dann bildeten sich Milizen, um gegen Soldaten zu kämpfen, die aufgebrachte Dörfer angriffen. Die Milizen nahmen Ölarbeiter als Geiseln. Pipelines wurden angezapft. Die Milizen bekriegten sich auch untereinander. Ausländische Unternehmen schürten den Konflikt, indem sie beide Seiten finanziell unterstützten: Das Militär wurde bezahlt, um die Ölquellen zu beschützen; die Milizen, um diese nicht anzugreifen.

Afrikas eigene Ölkatastrophe (Deutsche Welle):

Ohne das Öl könnte es hier aussehen wie in den Everglades von Florida – ein verwunschenes Labyrinth von Wasseradern mit Mangrovensümpfen und einer reichen Tierwelt. Aber aus dem grünen Paradies ist längst eine Hölle geworden. Ein schokoladenbrauner Ölfilm liegt auf dem Wasser, Vögel sterben, Fische gibt es hier längst nicht mehr. Klebrige Ölklumpen schwappen auf die Felder, es stinkt nach Petroleum. 6000 Kilometer Ölpipelines durchkreuzen das Nigedelta im Zickzack – einige sind völlig veraltet. Wegen der Lecks und der immer häufigeren Öldiebstähle kommt es im Durchschnitt fünf Mal pro Woche zu einem massiven “Spill” – zu einer Öl-Havarie. Seit in Nigeria Öl gefördert wird, sind auf diese Weise viele Millionen Liter schwarzes Gold ins Wasser und in den Boden geflossen – ein Umweltdesaster, für das vor allem der Ölmulti Shell immer wieder Ärger bekommt. Der Konzern fördert allein rund 40 Prozent des nigerianischen Öls: Ein mächtiger Staat im Staate, der sein Geld auf Kosten von Mensch und Umwelt verdiene, sagen die Kritiker.

Würde mich freuen, wenn ein paar Blogs (denen es thematisch passt) ebenfalls auf diese vergessene Öl-Katastrophe hinweisen würden!

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